Elefantenrunden zu Katzenecken!

Nachdem wir im letzten Jahr die sog. „Elefantenrunde“ aus Protest gegen die autoerotische Selbstbespiegelung der Hochschulpolitik (“Von Wahl-Automaten, Elefantenrunden und inszenierter Demokratie“ – Flugblatt der LUST zur Wahl 2014) flyerschmeißend verlassen hatten, kündigte unsere Vertreterin bei der gestrigen Wiederholung von der Bühne aus an, dass man in diesem Jahr in angemessenem Maße an der Diskussion teilnehmen wolle. Auf die Entschuldigung für die Aktion aus dem letzten Jahr folgte sodann die Enthüllung der größten Vorsitzenden aller Zeiten der LUST. Die Katze nahm auf dem für uns reservierten Stuhl auf der Bühne Platz und demonstrierte bis zum Schluss mit eisiger Mine, was sie von der Show hielt. Auf dem Foto zu sehen ist sie auf dem Schoß der Spitzenkandidatin der Juso-Hochschulgruppe, Lillian Bäcker: dorthin hatte sie sich nach eineinhalb Stunden fabriziertem Unsinn und dreist vorgetragener Unwahrheiten des RCDS-Kandidaten geflüchtet, weil von besagter Sozialdemokratin noch der einzig wirklich erträgliche Auftritt hingelegt worden ist.

Grumpy Cat, die größte LUST-Vorsitzende aller Zeiten, flüchtet sich bei der Elefantenrunde zur Juso-Kandidatin.

Höhepunkte der Hässlichkeiten gab es viele, und die kamen zuverlässigerweise vonseiten des in Bonn rechts-chauvinistisch auftretenden RCDS. So beschwerte sich Luc Kerren schon zu Beginn der Runde über die finanzielle Unterstützung einer jährlich stattfindenden Bildungsfahrt nach Auschwitz. Dass die Jusos ihm auf Nachfrage für ihre Unterstützung dieser Fahrt keine Gründe nennen wollten, wertete der gern mal als „Sherluc“ verlachte Fraktionsvorsitzende als Indiz für eine linksextreme Verschwörung rund um besagte Reise nach Polen. Wie man vom Stichwort „Auschwitz“ ohne Atempause ausgerechnet gleich auf Linksextremismus komme, diese Nachfrage konnte Kerren dann allerdings nicht beantworten. Stattdessen glänzte ein RCDS-Kandidat in der dann eröffneten offenen Diskussionsrunde damit, dass er zuallererst mal meinte, bemerken zu müssen, er freue sich über die Kandidatur der Jungsozialistin Lillian Bäcker, sie sei ja auch ein hübsches Mädchen. Anscheinend reagiert man aufseiten des RCDS auf die in den letzten Wochen verstärkte Thematisierung der sexistischen Zotigkeiten der Opposition mit einer Intensivierung eben dieser. Den Vogel schoss allerdings wieder Luc Kerren ab, indem er auf Nachfrage seine in einer SP-Sitzung getätigte Androhung weiterer sexistischer, sexualisierter Kommentare („kommt, stellt euren Antrag, winkt ihn durch, ändern wird sich eh nix!“) gegen linke Frauen verleugnete – und das in Anwesenheit einer Vielzahl von Zeug_innen, die genau diese Äußerung mit eigenen Ohren gehört hatten. Als wäre all das noch nicht genug, wählte Kerren als Entgegnung auf die geäußerte Forderung, der RCDS möge sich endlich von den rechten Studentenverbindungen distanzieren, er habe auch ein LUST-Mitglied mal am Tresen eines solchen Verbindungshauses angetroffen. Und tatsächlich: eine solche Begegnung hatte es gegeben. Dabei war Kerren ein Interview-Schnipsel mit Konrad Adenauer vorgespielt worden, in dem dieser von der „Macht der Juden“ phantasierte, wegen der er, Adenauer, seit jeher seine Kraft auf eine Versöhnung zwischen „dem deutschen und dem jüdischen Volke“ aufgewendet habe. Auf diese Widerlichkeit jedoch hatte Kerren nur entgegnet, dass Adenauer ja Recht gehabt habe mit dieser Einschätzung. Zu diesem antisemitischen Weltbild befragt, wusste er gestern Abend jedoch – mal wieder – keine Antwort. So erklärt sich vielleicht auch die Wut, die Kerren noch immer bekommt, wenn Studierende das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen, aus tieferen psychologischen Gründen. Lieber redete Kerren jedoch, der der linken Koalition sonst bei jeder Gelegenheit vorwirft, sie betätige sich „allgemeinpolitisch“, von der Rettung des Melbbades durch einen RCDS-AStA. Die Christdemokrat_innen würden sich „für die Badekultur“ in Bonn einsetzen. So ist vermutlich auch der „Bonner Frühling“ zu verstehen, den die rechte Hochschulgruppe auf ihren Wahlkampfplakaten fordert.

Video: Konrad Adenauer über „die Macht der Juden“